Tagebuch eines schlimmen Jahres

Ob ein Text kanonisch wird oder nicht, weiß man natürlich immer erst später. Aber wenn man am Ende dieses Jahrhunderts John M. Coetzees Tagebuch eines schlimmen Jahres zum Kanon seiner Anfangsjahre zählen sollte, wäre es deshalb, weil hier ein weltbekannter Autor die Tür zu einer neuen Art des Erzählens aufgestoßen hat. Man könnte es das nicht fiktionale Erzählen nennen. Der heute fast unumschränkt als Leitgattung herrschende Roman wollte sich seit seinen Anfängen von dem vorausgehenden Versepos dadurch unterscheiden, dass er sich dem Leben annäherte. Heinz Schlaffer hat ihn in einem berühmten Aufsatz als „das letzte Stadium der Literatur“ bezeichnet. So viel Kunstfertigkeit die Schriftsteller dem Roman auch angedeihen ließen, ihr höchster Triumph bestand seit dem 19. Jahrhundert darin, auf den Leser alles so wirken zu lassen, als sei es Wirklichkeit. Nicht zufällig sind alle naturalistischen Romane verfilmt worden.

Den ganzen Artikel von Stephan Wackwitz gibt es hier.

Nicht fiktionales Erzählen?

Ein Investmentbanker wollte also tatsächlich das Konto des Nobelpreisträges elektronisch plündern? Ich habe meine Zweifel. Gerade Coetzee spricht doch vom „wandelnden Feuer der Kunst“ (Die jungen Jahre). Man müsste es näher untersuchen, aber sein Projekt scheint mir ein ganz Anderes zu sein als dasjenige eines Knausgård.