Manche Texte halten länger als ihr Verfallsdatum

Vielleicht ist es ja mein persönliches Problem. Mir wurde einfach noch nicht so oft gesagt, dass ich keine Angst zu haben brauche. Als Kind, in der Geisterbahn. Im Flugzeug, bei Turbulenzen. Als junger Möchtegernrapper auf einem abendlichen Streifzug durch die Münchner Vorstadt, als uns eine Gruppe etwas ernster zu nehmender Gangster mit vorgehaltenem Messer aufforderte, uns hinzuknien, unsere Taschen zu leeren, uns dann umzudrehen und zu rennen. Macht einfach, was wir sagen. Ihr habt nichts zu befürchten. Ich habe diesen Satz nie gerne gehört. Wenn er von meinen Eltern kam, fühlte ich mich dabei klein und unreif. Und wenn er von jemand anderem kam, empfand ich ihn als anmaßend und verlogen. Weil derjenige, der ihn äußert, sich damit über mich stellt. Wer sich in eine Position bringt, mir meine Angst zu nehmen, ermächtigt sich damit automatisch auch dazu, mir Angst zu machen, wenn er es für angebracht hält.

Heinz Helle hat einen schönen Text zum gestrigen Show-Down geschrieben. Er beleuchtet darin einen Aspekt, dem man auch am Tag danach noch Rechnung tragen sollte.