Fiction und Faction – wahre Unwirklichkeit und unwahre Wirklichkeit

Javier Marías hat das Wort:

Die Wirklichkeit ist ein schlechter Romancier. Auch deshalb, weil es Zufälle gibt und absolut unglaubliche Dinge. In einem Roman würde man viele Dinge nicht akzeptieren, die im wahren Leben passieren.

Und:

Erfindung in der Fiktion ist nicht sehr facettenreich. Es ist mehr oder weniger ein und dieselbe Geschichte, die immer wieder in verschiedenen Zeiten erzählt wird. Das ist natürlich eine Übertreibung, aber das Material ist im Wesentlichen dasselbe für Shakespeare und die denkbar schlechteste TV-Serie. Es geht um Rache, Ehrgeiz, Gier, Eifersucht, um Leidenschaften und Heimlichkeiten. Der große Unterschied besteht darin, wie man mit dem Stoff umgeht. Im wahren Leben gibt es auch sehr wenig Variation. Deshalb sagt mein Erzähler, Fiktion und Wirklichkeit seien Zwillingsschwestern.

Und:

Viele Romanciers trauen der Fiktion nicht. Sie schreiben Faction. Doch selbst, wenn du etwas Reales erzählst, musst du es fiktionalisieren. Und wenn man umgekehrt eine erfundene Geschichte erzählt, fließen leicht Elemente aus der eigenen Erfahrung mit hinein.

Das ganze Interview gibt es hier.