Die permanente Empörungsbewirtschaftung

Historiker J. Tanner:

Heute wird oft von einer Entgegensetzung von «Volk» und «Classe politique» ausgegangen. Direkte Demokratie geht mit einer Verabsolutierung des Volkes einher. 2012 wurde eine rechtsradikale direktdemokratische Partei gegründet. Im Europa-Parlament schwenken extreme Nationalisten die Schweizerfahne. Da verliert die direkte Demokratie an Vertrauen und gerät in ein gefährliches Fahrwasser. Sie transportiert nicht mehr Sachpolitik, sondern wird zur permanenten Empörungsbewirtschaftung, zur gut geölten Kampagnenmaschinerie, die einen ausgeprägt europa- und fremdenfeindlichen Drall aufweist. In der heutigen experimentellen Versuchsanordnung sind grössere Unfälle nicht auszuschliessen.

Und:

Ich würde sagen, dass wir wieder verstärkt völkische Töne hören und dass ein Verständnis von Demokratie vorherrscht, das auf Ausschluss und der Schaffung von Sündenböcken abzielt.

Das ganze Interview gibt es hier.