Aufmerksam betrachten, was einen berührt, nicht das, was einen Namen hat

Im nächsten Raum, hoch oben an der Wand, hängt ein Riesengemälde, das aus nichts als einem länglichen schwarzen Klecks auf weißem Feld besteht. Hommage an die Spanische Republik 24 von Robert Motherwell, lautet die Beschriftung. Er ist gebannt. Bedrohlich und geheimnisvoll nimmt ihn die schwarze Form gefangen. Ein klang wie ein Gongschlag geht davon aus und entlässt ihn erschüttert und mit weichen Knien.
Woher nimmt sie ihre Macht, diese amorphe Form, die keine Ähnlichkeit mit Spanien oder mit sonst etwas hat, aber einen Springquell dunkler Gefühle in ihm auslöst? Sie ist nicht schön, spricht aber wie die Schönheit, gebieterisch. Warum hat Motherwell diese Macht und nicht Pollock oder van Gogh oder Rembrandt? Ist es dieselbe Macht, die sein Herz beim Anblick der einen Frau schneller schlagen lässt, bei der anderen aber nicht? Entspricht Hommage an die Spanische Republik einer in seiner Seele wohnenden Form? Wie ist das mit der Frau, die sein Schicksal sein wird? Ist ihr Schatten schon in seinem dunklen Inneren gespeichert? Wie lange noch, bis sie sich offenbart? Wenn sie es tut, wird er vorbereitet sein

J.M. Coetzee, Die Jungen Jahre