Idee: Menschen gehalten in Aerarien auf dem Grund des Ozeans

Hörenswerte Radio-Reportage über ein Thema, von dem ich nichts wusste:

Zwei Dinge fallen mir als Ergänzungen ein:

Erstens. Im Beitrag wird die Sensibilisierungsleistung von Zoos und Aquarien in Frage gestellt. Wie steht es aber um die Sensibilisierungsleistung von Kunst? Erwähnt wird, wie der Zeichentrickfilm FINDING NEMO dazu führte, dass die Nachfrage nach Clownfischen in die Höhe schnellte. Doch die Reportage übersieht die Ironie, dass es in FINDING NEMO gerade darum geht, dass Menschen einen Clownfisch – Nemo – aus seinem natürlichen Habitat rauben. Ist Sensibilisierungsleistung dieses eigentlich hochemotionalen Films also gleich null oder sogar negativ?
Wikipedia:

Der prominente filmische Einsatz von Clownfischen regte vor allem Kinder in den Vereinigten Staaten dazu an, sich einen Clownfisch als Haustier zu wünschen, obwohl die Haltung derartiger Fische im Film als kompliziert und teuer dargestellt wird. Um die stark gestiegene Nachfrage zu befriedigen, wurde in Vanuatu 2004 die Fangquote für Clownfische erhöht.

Gleichzeitig wird im Film behauptet, alle Abflüsse führten ins Meer. So entgeht Nemo seiner Gefangenschaft im Aquarium, indem er durch einen Abfluss das Meer erreicht. Da Abwasser üblicherweise einer Behandlung  unterzogen wird, bevor es in den Wasserkreislauf zurückgegeben wird, stichelte die Firma JWC Environmental, ein passenderer Titel für den Film sei Grinding Nemo, zu deutsch etwa Nemo mahlen. Besonders Kinder initiierten die vermeintliche Befreiung ihrer Zierfische durch das Aussetzen im Abfluss, was für die meisten Tiere im sicheren Tod endete. In Sydney selbst hingegen endet die Kanalisation tatsächlich im offenen Meer, ohne dabei eine nennenswerte Behandlung erfahren zu haben, wenn man von einigen Filter- und Pumpprozeduren absieht.

Ob irgendjemand bei Disney Pixar mit Gewissensbissen kämpft?

Zweitens. Mit Ausnahme des geplanten Ozeaniums im Zoo Basel wird die Nachfrageseite wenig beleuchtet. Stattdessen herrscht (berechtigtes) Bedauern über die Hilflosigkeit des internationalen Artenschutzes. Dass ein Land wie die Schweiz auch unilateral den Handel mit bestimmten Zierfischen verbieten könnte – aus moralischer Überzeugung – wird nicht diskutiert. Hier zeigt sich ein grundsätzliches Prinzip: Wenn alle Unrecht tun, tue auch ich Unrecht. Jedenfalls solange mein moralisches Handeln irgendwelche wirtschaftlichen Interessen beschädigen könnte. Primat der Ökonomie.

Was Kosinski genau genommen erfunden hat, ist eine Menschensuchmaschine.

Ein wichtiger Artikel von Mikael Krogerus und Hannes Grassegger über Big Data und Manipulation:

2012 erbringt Kosinski den Nachweis, dass man aus durchschnittlich 68 Facebook-Likes eines Users vorhersagen kann, welche Hautfarbe er hat (95-prozentige Treffsicherheit), ob er homosexuell ist (88-prozentige Wahrscheinlichkeit), ob Demokrat oder Republikaner (85 Prozent). Aber es geht noch weiter: Intelligenz, Religionszugehörigkeit, Alkohol-, Zigaretten- und Drogenkonsum lassen sich berechnen. Sogar, ob die Eltern einer Person bis zu deren 21. Lebensjahr zusammengeblieben sind oder nicht, lässt sich anhand der Daten ablesen. Wie gut ein Modell ist, zeigt sich daran, wie gut es vorhersagen kann, wie eine Testperson bestimmte Fragen beantworten wird. Kosinski geht wie im Rausch immer weiter: Bald kann sein Modell anhand von zehn Facebooks-Likes eine Person besser einschätzen als ein durchschnittlicher Arbeitskollege. 70 Likes reichen, um die Menschenkenntnis eines Freundes zu überbieten, 150 um die der Eltern, mit 300 Likes kann die Maschine das Verhalten einer Person eindeutiger vorhersagen als deren Partner. Und mit noch mehr Likes lässt sich sogar übertreffen, was Menschen von sich selber zu wissen glauben.

Den Artikel gibt es hier zu lesen.